Matsch, Musik und Mutationen: Der Superprestige Cyclo Cross Gullegem 2026

 

 

Wer gestern in Gullegem war und danach noch seine eigene Hautfarbe unter der Kruste identifizieren konnte, hat definitiv etwas falsch gemacht. Der Superprestige in Gullegem machte seinem Ruf als „Prinzessin der Wiesen-Crosser“ alle Ehre – wobei die Prinzessin diesmal eher wie eine Bergbauarbeiterin nach der Doppelschicht aussah.

1. Das Duell der Giganten (und die Abwesenheit der Götter)

Da die „Heilige Dreifaltigkeit“ des Cross-Sports gestern pausierte – Wout van Aert kuriert leider seinen Knöchel aus (Gute Besserung, Wout!), Mathieu van der Poel suchte vermutlich seine weiße Hose vom Vortag in Mol und Tom Pidcock war… nun ja, irgendwo im Wald – war die Bühne frei für die „Arbeiterklasse“.

Und was für ein Finale! Niels Vandeputte und Michael Vanthourenhout lieferten sich einen Schlagabtausch, der mehr Ähnlichkeit mit einem Ringkampf im Schlamm hatte als mit Radsport. Am Ende behielt Vandeputte die Oberhand. Er wirkte im Ziel so sauber wie ein frisch poliertes Auto – zumindest im Vergleich zu Vanthourenhout, der aussah, als hätte er versucht, den Parcours mit dem Gesicht umzugraben.

2. Frauen-Power: Fouquenet auf der Flucht

Bei den Frauen fackelte die französische Meisterin Amandine Fouquenet nicht lange. Bei ihrem Debüt für das Team Pauwels Sauzen – Altez raste sie davon, als hätte sie im Ziel die letzte Portion warme Waffeln reserviert. Dahinter sorgte die erst 18-jährige Kanadierin Rafaelle Carrier für Furore. Mit 18 Jahren im belgischen Schlamm aufs Podium zu fahren, ist so, als würde man bei der ersten Fahrstunde direkt den Großen Preis von Monaco gewinnen. Chapeau!

Schlamm, Schweiß und Frittenfett: Der “Karnevalscross” in Gullegem

Wer gestern dachte, ein gemütlicher Samstagnachmittag auf der Couch sei eine gute Idee, der hat das Spektakel in Gullegem verpasst. Oder – je nach Sichtweise – alles richtig gemacht. Der Cyclocross Gullegem (oder wie wir ihn nennen: “Die offene flandrische Meisterschaft im Schlammcatchen mit Fahrradbegleitung”) hat wieder einmal bewiesen, warum die Belgier diesen Sport so lieben: Es ist die perfekte Ausrede, um sich mittags zu betrinken und Erwachsenen dabei zuzusehen, wie sie im Dreck spielen.

3. Die deutschen „Adler“ im belgischen Nebel

Und unsere Jungs? Nun, wer in Flandern gegen die Belgier antritt, fühlt sich oft wie ein Veganer beim Grillfest – man ist dabei, hat aber einen schweren Stand.

  • Fabian Eder (Heizomat – Cube): Der junge Deutsche kämpfte sich auf einen respektablen 21. Platz. In einem Feld, das so tief besetzt ist wie ein belgisches Schlagloch, ist das eine Leistung, die mindestens drei Weizenbiere wert ist.

  • Das Team Heizomat: Zwar ist der Sechstplatzierte Kevin Kuhn Schweizer, aber da das Team aus Franken kommt, reklamieren wir diesen Erfolg einfach mal als „halb-deutsch“ (wir brauchen die Punkte für das Ego!).

4. Das eigentliche Highlight: Die „Kuhstall“-Bar

Man darf Gullegem nicht erwähnen, ohne über das „Beiprogramm“ zu sprechen. Während die Profis sich quälten, feierten die Fans in der legendären Kuhstall-Bar. Mit Auftritten von Regi und Bart Kaëll wurde der Cross-Sport kurzzeitig zur Nebensache. Es ist der einzige Ort der Welt, an dem man gleichzeitig Gummistiefel, ein Radtrikot und ein Pittermännchen tragen kann, ohne schief angeschaut zu werden.


Fazit: Gullegem 2026 war wieder einmal der Beweis: Cross ist kein Sport, es ist eine Diagnose. Wer freiwillig im Schneeregen durch flandrische Wiesen pflügt, während 10.000 Menschen mit Pommes in der Hand zuschauen, hat die Kontrolle über sein Leben verloren – und wir lieben jede Sekunde davon!

Nächste Woche geht es zur DM nach Bensheim. Dort ist der Matsch zwar hessisch, aber die Leiden sind dieselben.

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