Enric Mas gewinnt die Vuelta
Landa krönt sich selbst: Solo-Triumph auf der Königsetappe der Vuelta 2026
La Calahorra – Collado del Alguacil, 186,8 km
Die Vuelta a España 2026 hat auf ihrer letzten großen Bergetappe ein Kapitel geschrieben, das lange in Erinnerung bleiben dürfte. Auf dem neu ins Programm genommenen Collado del Alguacil, einem weiteren jener gnadenlosen Anstiege, mit denen die Organisatoren regelmäßig nach dem nächsten Angliru suchen, feierte Mikel Landa (Soudal Quick-Step) einen der emotionalsten Siege seiner langen Karriere.
Ein Ausreißer, der sich durchkämpfte
Von der ersten Kilometer an wurde attackiert. Wout van Aert und Ivo Oliveira setzten die ersten Nadelstiche, ehe sich eine gut ein Dutzend Fahrer starke Spitzengruppe formierte – allein sechsmal in Uno-X-Trikots. Auch Sprinter Bryan Coquard mischte zunächst mit. Landa selbst war lange nicht in dieser vordersten Reihe zu finden, sondern kämpfte sich aus einer nachsetzenden Gruppe heraus nach vorn, die zwischenzeitlich mehr als fünf Minuten Rückstand hatte.
Am Fuß des Schlussanstiegs war es dann Landa, der gemeinsam mit Ramses Debruyne (Alpecin–Premier Tech) den entscheidenden Sprung schaffte und sich mit Tobias Halland Johannessen (Uno-X Mobility) zu einem Spitzentrio formierte. Rund zwei Kilometer vor dem Gipfel zündete Landa den entscheidenden Antritt: Debruyne konnte nicht kontern, Johannessen hielt sich noch am längsten in Reichweite. Am Ende reichte es Landa zu 47 Sekunden Vorsprung auf den Norweger und 1:27 Minuten auf den Belgier.
Für den 36-Jährigen war es der zweite Vuelta-Etappensieg seiner Karriere – elf Jahre nach dem ersten – und insgesamt sein 17. Profisieg. Landa, der seine WorldTour-Karriere nach dieser Saison beendet und zu Euskaltel-Euskadi in die Heimat zurückkehrt, sprach im Ziel sichtlich gerührt von seiner „letzten Chance”, die er habe nutzen wollen.
Gall greift an – aber zu spät
Spannender noch als der Etappensieg war der Kampf ums Podium. Enric Mas (Movistar) verteidigte im Roten Trikot souverän seine Gesamtführung, doch zwischen Primož Roglič (Red Bull–BORA–hansgrohe) und Felix Gall (Decathlon CMA CGM) drohte es auf den letzten Kilometern noch einmal eng zu werden. Gall attackierte erst etwa drei Kilometer vor dem Gipfel, konnte Mas ein paar Sekunden abnehmen, kam für den Sprung auf Rang zwei der Gesamtwertung aber zu spät. Vor der Schlussetappe steht es nun 2:15 Minuten für Mas vor Roglič und 2:44 Minuten vor Gall. Richard Carapaz verteidigte Rang vier, während sich Sepp Kuss dank einer mutigen frühen Attacke von Platz elf auf Platz fünf vorarbeitete.
Nebenklassements: Van Aert legt vor, Onley hält stand
Auch im Kampf um die Nebentrikots tat sich einiges: Wout van Aert schaffte es in die Spitzengruppe und sicherte sich dort gleich die ersten drei Bergwertungen des Tages – für die Übernahme des gepunkteten Trikots von Santiago Buitrago reichte es aber knapp nicht mehr, da am letzten Tag keine weiteren Bergpunkte vergeben werden. Im Nachwuchsklassement behauptete sich Oscar Onley (Netcompany INEOS) mit weiteren vier gewonnenen Sekunden gegen seinen slowenischen Rivalen Jakob Omrzel und geht mit 1:10 Minuten Vorsprung in die letzte Etappe.
Ausblick
Mit der 20. Etappe ist die letzte Hürde vor Granada genommen. Die Schlussetappe am Sonntag führt traditionell weitgehend zeremoniell zur Alhambra, ehe dort über den Etappensieg entschieden wird. Am Gesamtklassement dürfte sich, sofern nichts Außergewöhnliches passiert, nichts mehr ändern – Enric Mas steuert auf den ersten großen Grand-Tour-Erfolg seiner Karriere zu.
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