Vuelta a Espana. Ist Enric Mas der neue König.
Enric Mas krönt sich am Alto de Aitana zum ersten Herrscher der Post-Pogačar-Vuelta
La Vila Joiosa – Alto de Aitana, 30. August 2026. Einen Tag nach dem schockierenden Sturz-Aus von Tadej Pogačar hat Enric Mas eindrucksvoll gezeigt, dass er bereit ist, das Machtvakuum an der Spitze der Vuelta a España zu füllen. Auf der 9. Etappe, der ersten großen Hochgebirgsprüfung der diesjährigen Rundfahrt, gewann der Spanier vom Movistar Team nicht nur den Tagessieg auf dem Gipfel des Alto de Aitana, sondern baute auch seine Gesamtführung deutlich aus.
Ein Königsetappe mit über 5.000 Höhenmetern
Die 187,4 Kilometer lange Etappe führte von der Küstenstadt La Vila Joiosa ins bergige Hinterland der Costa Blanca und verlangte den Fahrern mit sechs kategorisierten Anstiegen – darunter der brutale Puerto El Miserat mit Rampen von bis zu 23 Prozent – knapp 5.200 Höhenmeter ab. Den Abschluss bildete der 22 Kilometer lange Schlussanstieg zum Alto de Aitana mit einer Durchschnittssteigung von 5,8 Prozent.
Eine 18-köpfige Ausreißergruppe hatte sich früh vom Feld gelöst. Auf ihrer Flucht sorgte ausgerechnet der an seinem 23. Geburtstag angreifende Italiener Alessandro Romele für Bewegung, ehe sich mit dem spanischen Meister Marcel Camprubí und Pavel Sivakov zwei weitere Fahrer lösten. Sivakov setzte sich schließlich allein an die Spitze, wurde aber am Fuß des Schlussanstiegs vom nachdrängenden Feld geschluckt.
Decathlon diktiert das Tempo, Mas schlägt zu
Im Hauptfeld übernahm das Team von Felix Gall früh die Kontrolle: Jordan Labrosse, Sander De Pestel und Gregor Mühlberger rissen mit einem mörderischen Tempo große Lücken in die Verfolgergruppe, um ihren Kapitän für einen Angriff auf das Rote Trikot in Stellung zu bringen. Die Rechnung ging jedoch nicht auf. Als Gall selbst rund acht Kilometer vor dem Ziel losfuhr, konnte er keinen entscheidenden Vorsprung herausfahren.
Stattdessen war es Mas, der die Situation für sich nutzte. Mit zwei Antritten auf den letzten drei Kilometern setzte sich der 31-Jährige zunächst von Primož Roglič ab und ließ schließlich alle Konkurrenten hinter sich – bis auf den jungen Schotten Oscar Onley. Im direkten Duell auf den letzten Metern hatte Mas die besseren Beine und feierte seinen ersten Grand-Tour-Etappensieg seit vier Jahren. Onley wurde mit sechs Sekunden Rückstand Zweiter, Roglič rettete sich mit 12 Sekunden Differenz auf Platz drei. Gall kam trotz des immensen Teameinsatzes erst als Vierter mit 18 Sekunden Rückstand ins Ziel.
Kuss verliert das Podium aus den Augen
Der große Verlierer des Tages war Sepp Kuss. Der Vuelta-Sieger von 2023 konnte dem mörderischen Tempo am Schlussanstieg nicht folgen und musste 1:44 Minuten auf Mas und Onley einbüßen – ein Rückschlag, der seine Podiumschancen erheblich schmälert.
Mas selbst hatte das Rote Trikot erst am Vortag übernommen, nachdem Pogačar nach einem folgenschweren Sturz mit Gehirnerschütterung, gebrochenem Schlüsselbein und einer Fraktur des siebten Halswirbels aus dem Rennen genommen werden musste – eine Verletzung, die aller Voraussicht nach seine gesamte restliche Saison beendet. Aus Respekt vor dem Slowenen hatte Mas das Trikot beim Podium des Vortages noch nicht getragen.
Mit seinem Sieg am Alto de Aitana untermauert Mas nun seinen Führungsanspruch vor dem ersten Ruhetag am Montag. Die Vuelta wird am Dienstag mit der 10. Etappe von Alcaraz nach Elche de la Sierra fortgesetzt – einem taktisch geprägten Tag, der trotz geringerer Bergwertung erneut mehrere Anstiege bereithält.
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