Tour de France Etappe 5: Wenn Pau ruft, antwortet das Feld mit Vollbremsung

 

Tour de France Etappe 5: Wenn Pau ruft, antwortet das Feld mit Vollbremsung

 

 

Lannemezan – Pau, 158,3 Kilometer, und am Ende bleibt eigentlich nur eine Erkenntnis: Der Radsport-Gott hat heute Slapstick bestellt, nicht Drama.

Der Mann, der die Tour für sich allein wollte

Den Vormittag gehörte einem Menschen, der offenbar beschlossen hatte, dass ihm 144 Kilometer Alleinunterhaltung reichen würden: Veistroffer. Stunde um Stunde fuhr er wie ein Mann, der seinen Zug verpasst hat und trotzdem hofft, ihn zu Fuß einzuholen. Das Peloton ließ ihn gewähren, so wie man einem Kind erlaubt, mit Wasserfarben zu experimentieren – man weiß, wie es endet, aber man will nicht der Spielverderber sein. Erst 14,3 Kilometer vor dem Ziel wurde er eingefangen, offenbar auch etwas überrascht, dass die Party jetzt vorbei war. Immerhin: Für den Preis des angriffslustigsten Fahrers dürfte er sich heute selbst nominiert haben.

Die Kurve, die keiner wollte

Dann kam sie, die Kurve, vor der jeder Kommentator insgeheim Angst hat, weil man weiß: Bei so viel Nervosität im Feld MUSS etwas passieren. Und es passierte. Drei Fahrer landeten auf dem Asphalt, darunter Pech-Kandidat Alex Molenaar, der sich zwar wieder aufrappelte, aber vermutlich mit dem Gefühl, dass sein Tag gerade eine ungeplante Wendung genommen hat. Für Tim Merlier und Jasper Philipsen – zwei der prominentesten Sprinter im Feld – bedeutete der Positionsverlust danach: Der Zug ist weg, und zwar endgültig. Wer als Sprinter zu weit hinten steht, kann genauso gut gleich zum Hotel durchfahren.

Chaos im Finale, Ordnung nur auf dem Papier

Was danach folgte, war weniger eine geordnete Sprintvorbereitung als ein Verkehrsknoten kurz vor Feierabend. Erst übernahm XDS–Astana das Kommando für Kanter, dann riss es komplett auseinander, Uno-X funkte dazwischen, und plötzlich bestimmten die Teams der B-Sprinter das Geschehen – ein bisschen so, als würde beim Klassentreffen plötzlich der Streber von damals die Ansage machen, weil alle anderen mit sich selbst beschäftigt sind.

Der Sieger, der einfach schneller war als alle anderen

Am Ende zog Olav Kooij vom Hinterrad seines Teamkollegen Teunissen los – und das war es dann auch schon. Max Kanter, der eigentlich gut angezogen wurde, konnte nicht mithalten, Tim Merlier rettete trotz Chaos noch Platz drei. Kooij gewann so überlegen, dass man sich fragte, ob er den Massensturz-Nervenkitzel vorher überhaupt mitbekommen hat oder einfach nur gedacht hat: „Ach, dann sprinte ich eben um den Sieg, während ihr euch sortiert.”

Und sonst so?

Torstein Træen verteidigte trotz kleiner Zeitverluste im Chaos sein Gelbes Trikot – was an diesem Tag ohnehin niemanden ernsthaft interessierte, da vorne die Sprinter die Schlagzeilen schrieben. Mads Pedersen bleibt weiterhin komfortabel in Grün unterwegs, mit einem Vorsprung auf Biniam Girmay, der so groß ist, dass er sich theoretisch morgen auch mal einen Kaffee in Ruhe gönnen könnte.

Fazit: Etappe 5 war offiziell eine Flachetappe für Sprinter. Inoffiziell war es eine Achterbahnfahrt mit Vollbremsung in der letzten Kurve – und ein Beweis, dass man bei der Tour de France selbst an einem “einfachen” Tag nie wirklich weiß, wer am Ende lacht.

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