Tour de France 2026, 9. Etappe: Van der Poel siegt in einer Hitzeschlacht in Ussel

 

Tour de France 2026, 9. Etappe: Van der Poel siegt in einer Hitzeschlacht in Ussel


Es sollte die Etappe der Ausreißer werden – und genau das wurde sie, nur mit einem Hauptdarsteller, den kaum jemand auf der Rechnung hatte: Mathieu van der Poel. Auf der 9. Etappe von Malemort nach Ussel setzte sich der Niederländer im Sprint einer vierköpfigen Spitzengruppe durch und holte sich seinen dritten Etappensieg bei dieser Tour de France. Tadej Pogačar verteidigte in einem ereignisreichen, aber für ihn ungefährlichen Rennen das Gelbe Trikot und reist mit 2:42 Minuten Vorsprung auf Jonas Vingegaard in den ersten Ruhetag.

Verkürzte Strecke wegen Hitzewarnung

Schon am Vortag hatte Tourdirektor Christian Prudhomme angekündigt, dass die Etappe wegen einer Rot-Warnung für extreme Hitze im Département Corrèze um 30 Kilometer gekürzt werde. Statt 185,5 Kilometern standen am Ende nur noch 154,6 Kilometer auf dem Programm, bei Temperaturen von rund 38 Grad. Prudhomme hatte vermutet, dass die Verkürzung das Rennen eher intensiver als ruhiger machen würde – und sollte recht behalten. Kaum war die Fahne gefallen, attackierten Quinten Hermans, Alex Kirsch und Stefano Oldani, ehe sich nach und nach eine größere Ausreißergruppe formierte, angeführt zeitweise von Gee-West, die auf zwölf und schließlich fünfzehn Fahrer anwuchs.

Bergpunkte, Attacken und ein Solo-Bogen von Pidcock

Über die Côte de Naves setzte sich Valentin Paret-Peintre an die Spitze, während sich das Peloton bereits sichtbar auflöste. UAE Team Emirates – XRG hielt Pogačar bei jeder gefährlichen Bewegung in Position und ließ den Rückstand nie über 1:25 Minuten anwachsen. Tom Pidcock vollführte in dieser Phase einen beeindruckenden Solo-Sprung zur Spitzengruppe, während mangelnde Kooperation an vorderster Front Quinn Simmons und Tobias Halland Johannessen zu einer weiteren Attacke vor dem Suc au May verleitete.

An der Côte de la Croix du Pey ging die Ausreißergruppe mit nur 1:15 Minuten Vorsprung in den Anstieg, den UAE bis zum Gipfel auf 55 Sekunden zusammenschmolz. Dort setzte Pidcock erneut zur Attacke an, sicherte sich weitere Bergpunkte und schloss die Gruppe wieder zusammen. INEOS Grenadiers übernahmen kurz darauf mit Tobias Foss und Kevin Vauquelin die Verfolgung – offiziell auf der Jagd nach einem möglichen Sieg für Filippo Ganna, tatsächlich auch zur Verteidigung der Gesamtwertung von Egan Bernal gegenüber Pidcock und Johannessen.

Der entscheidende Moment: Mont Bessou

Die Vorentscheidung fiel schließlich am letzten Bergpreis des Tages, dem Mont Bessou – nur 900 Meter lang, aber mit Rampen von bis zu 7,3 Prozent. Rund 25 Kilometer vor dem Ziel griff dort Van der Poel an und löste sich, mit Alex Baudin, Johannessen und Pidcock im Windschatten. Der Rest der einstigen Spitzengruppe fiel zurück ins Verfolgerfeld, das zu diesem Zeitpunkt weniger als eine Minute zurücklag. Pidcock musste nach einem Defekt kurzzeitig zurückfallen, konnte sich aber wieder heranarbeiten, ehe die Vierergruppe gemeinsam auf die letzten Kilometer ging.

Im Hintergrund machten Netcompany-Ineos und Lidl-Trek das Tempo in der Verfolgung und reduzierten den Rückstand des Feldes kontinuierlich – am Ende blieben nur sechs Sekunden zwischen der Spitzengruppe und dem heranstürmenden Peloton, das den Sprint um Rang fünf mit Ganna vor Pedersen und Matthews entschied.

Van der Poel lässt niemandem eine Chance

Vorne blieben die vier Ausreißer bis zum letzten Moment taktisch zurückhaltend, ehe sie sich der Zielgeraden in Ussel näherten – einem 700 Meter langen Schlussanstieg mit rund 4 Prozent Steigung. Auf solchem Terrain ist Van der Poel praktisch unschlagbar, wie er bereits in Mûr-de-Bretagne 2021 und Boulogne-sur-Mer 2025 bewiesen hatte. Er blickte sich im letzten Kilometer noch einmal um, sah Johannessen und Pidcock, die auf seinen Sprint warteten – und zündete dann eine Beschleunigung, der niemand folgen konnte. Johannessen sicherte sich Rang zwei vor Pidcock, Baudin wurde Vierter als bester Franzose.

Für Van der Poel, der bislang vor allem als Edelhelfer für seinen enttäuschten Sprinter Jasper Philipsen unterwegs war – ohne Podium in Pau, nur Fünfter in Bordeaux, außerhalb der Top drei in Bergerac –, ist es der erlösende Erfolg einer bislang schwierigen ersten Woche für Alpecin-Premier Tech. Passenderweise führte die Etappe unweit der Heimat seines Großvaters Raymond Poulidor vorbei.

Gesamtwertung bleibt unverändert

In der Gesamtwertung tat sich derweil nichts Wesentliches. Pogačar überstand das Finale unbehelligt auf Rang elf und geht mit 2:42 Minuten Vorsprung auf Vingegaard sowie 3:27 Minuten auf Isaac del Toro in den Ruhetag im Cantal. Remco Evenepoel liegt als Vierter 3:30 Minuten zurück. Das Bergtrikot bleibt bei Pogačar, das Weiße Trikot bei Del Toro, und Mads Pedersen baute dank der maximalen Punkte am früh gelegten Zwischensprint seinen Vorsprung im Grünen Trikot weiter aus.

Nach einer intensiven ersten Woche folgt nun der erste Ruhetag – ehe die Tour de France 2026 in ihre zweite, entscheidendere Phase geht.

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