Tour de France 2026, 13. Etappe: Mauro Schmid krönt Ausreißer-Drama in Belfort

 

Tour de France 2026, 13. Etappe: Mauro Schmid krönt Ausreißer-Drama in Belfort

Dole – Belfort, 205,8 km


Nach zwei Sprintertagen und mit dem ersten Ruhetag längst im Rückspiegel nahm die Tour de France am Freitag wieder Kurs auf die Berge – wenn auch erst spät. Die mit 205,8 Kilometern längste Etappe dieser Frankreich-Rundfahrt führte von Dole durch die Ausläufer des Jura in Richtung Vogesen, ehe im Finale der Col des Croix und der legendäre Ballon d'Alsace auf dem Programm standen. Am Ende war es ein Tag der Ausreißer – und Mauro Schmid, der ihn sich mit einem cleveren Solo-Sprint gegen Harold Tejada sicherte.

Ein Tag, der von Beginn an nach Flucht roch

Schon vor dem Start war klar: Diese Etappe war wie gemacht für eine große Ausreißergruppe. Der erste Teil des Tages verlief flach, das Terrain bot kaum Möglichkeiten für entscheidende Attacken der Gesamtklassement-Fahrer, und mit zwei schweren Bergetappen im Anschluss am Wochenende hatten die großen Teams wenig Interesse, selbst Tempo zu machen. Das Resultat: ein wildes Geschacher um die richtige Fluchtgruppe von der ersten Kilometer an.

Binnen der ersten Rennstunde bildete sich durch mehrere Angriffswellen eine große Gruppe von rund 40 Fahrern an der Spitze. Kurz darauf schloss ein weiteres großes Feld auf, in dem sich auch Mads Pedersen und Biniam Girmay befanden, nachdem der Versuch von Lidl-Trek, das Rennen zu kontrollieren, gescheitert war. Die beiden Sprinter trafen in der Ausreißergruppe auch auf Jasper Philipsen – ein Trio, das sich beim Zwischensprint in Mélisey, der Heimat des Publikumslieblings Thibaut Pinot, ein packendes Duell lieferte, das der Belgier für sich entschied.

Besonders auffällig: Pinarello-Q36.5 übernahm einen Großteil der Verantwortung an der Spitze der kleinen Verfolgergruppe, angeführt von Tom Pidcock. Er und der Top-10-Mann der vergangenen Saison, Jordan Jegat, hatten gesamtklassement-technisch viel zu gewinnen und zogen gemeinsam am Tempo an. Der Vorsprung der Spitzengruppe wuchs zeitweise auf rund acht Minuten, ehe Bahrain-Victorious und Lidl-Trek im Hauptfeld die Zügel in die Hand nahmen und Pidcocks Zeitgewinn im Zaum hielten – UAE Team Emirates-XRG hingegen zeigte kein Interesse an der Verfolgung, schließlich saßen eigene Leute mit vorne.

Der Ballon d'Alsace mischt die Karten

Nach rund 150 flachen Kilometern erreichte das Rennen endlich bergiges Terrain. Über den Col des Croix (5,1 Kilometer bei durchschnittlich 4,8 Prozent Steigung) ging es hinauf nach Saint-Maurice-sur-Moselle, wo mit dem Ballon d'Alsace der entscheidende Anstieg des Tages wartete: 8,9 Kilometer lang, im Schnitt 6,9 Prozent steil, Kategorie 1 – und historisch bedeutsam, war er doch vor über 120 Jahren der allererste echte Bergpass in der Geschichte der Tour de France.

An diesem Anstieg wurden die entscheidenden Weichen gestellt, auch wenn die Selektion nicht sofort endgültig war. Tom Pidcock und Jayco-AlUla, im Dienst von Michael Matthews, versuchten das Tempo zu kontrollieren. An der Kuppe war Pidcock als Erster oben, doch die Angriffe reichten zunächst nicht, um die Gruppe auf eine Handvoll Fahrer zu reduzieren. Auf der Abfahrt schlossen sich Mauro Schmid und Harold Tejada (beide Jayco-AlUla) sowie Brandon McNulty (UAE) und Tim Wellens zusammen, kurz darauf stießen auch Kévin Vauquelin, Maxim van Gils, Jordan Jegat und Clément Braz Afonso dazu.

Da niemand bereit war, die Führungsarbeit allein zu übernehmen und Pidcock ohne Helfer dastand, wurde das Rennen in der Spitzengruppe zunehmend taktisch und nervös. Attacke folgte auf Attacke – ein reines Zahlenspiel, bei dem am Ende die Mannschaft mit den meisten Karten in der Hand gewinnen sollte: Jayco-AlUla, mit gleich vier Fahrern in der Ausreißergruppe des Tages.

Schmid schlägt zu – Belfort feiert seinen ersten Etappensieger seit 1978

Mit noch 16 Kilometern vor dem Ziel setzte sich Mauro Schmid ab, Harold Tejada reagierte sofort und blieb an seinem Hinterrad. UAE hatte in dieser entscheidenden Phase niemanden mehr vorne, sodass die Verfolgergruppe zwar mit vereinzelten Angriffen reagierte, das Duo aber letztlich nicht mehr einholen konnte.

Auf den letzten Kilometern nach Belfort – zunächst steil, dann sanft bergab, mit zwei kleinen Wellen im Profil – behielten Schmid und Tejada die Nerven. Im Sprint der beiden setzte sich der Schweizer klar durch und bescherte seinem Team Jayco-AlUla den ersten Etappensieg dieser Tour. Es ist zugleich der erste Etappensieg für Belfort als Zielort seit 1978, als der Belgier Marc Demeyer den Niederländer Jan Raas im Sprint bezwang.

Tom Pidcock komplettierte als Dritter das Podium der Etappe – für ihn der wichtigere Teilerfolg lag jedoch im Gesamtklassement: Mit seiner Ausreißerfahrt kletterte er auf einen der vorderen Plätze der Gesamtwertung und rückte damit merklich näher an die Podiumsränge heran.

Das Feld kommt mit deutlichem Rückstand

Im Hauptfeld, angeführt von den Kapitänen der Gesamtwertung, wurde ab der Kuppe des Ballon d'Alsace ordentlich Gas gegeben, ohne dass es zu einem offenen Schlagabtausch zwischen den GC-Favoriten kam. Tadej Pogačar verteidigte sein Gelbes Trikot ohne größere Probleme, Jonas Vingegaard und Remco Evenepoel bleiben unter den besten Drei der Gesamtwertung. Das Peloton erreichte Belfort schließlich mit über sieben Minuten Rückstand auf den Sieger.

Ausblick

Mit dieser Ausreißer-Etappe endet die erste, ruhigere Woche nach dem Ruhetag. Am Wochenende warten in den Vogesen zwei anspruchsvollere Bergetappen, ehe die Tour in Richtung der großen Alpenprüfungen weiterzieht. Ob Tadej Pogačar dort erneut selbst angreift oder den großen Fluchtgruppen wieder freie Bahn lässt, dürfte auch die kommenden Tage entscheidend prägen.

Ergebnis  <<<<<




Kommentare