Puncheur-Auftakt mit Kirmes-Finale
Der Auftakt der 46. Ethias Tour de Wallonie hat gehalten, was die Vorschau versprach: ein welliger Härtetest, ein nervöses Finale und ein Sieger, der genau dafür gebaut ist. Jordi Meeus hat am Montag die erste Etappe von Manage nach Lobbes gewonnen und sich damit das erste Gelbe Trikot der Rundfahrt gesichert.
Bei kühlem, aber trockenem Wetter rollten 147 Fahrer um 12:15 Uhr vom Grand-Place in Manage los. Auf dem Papier standen 180,7 Kilometer, in der Realität waren es fast 900 Höhenmeter verteilt auf einen unruhigen Parcours durch Hennegau und die Provinz Namur.
Die Strecke
Die Organisatoren hatten bewusst auf ein klassisches Wallonie-Profil gesetzt. Nach dem Start ging es über Genappe und Sombreffe Richtung Süden. Die erste Duftmarke setzte die Côte de Trémouroux nach rund 80 Kilometern, 800 Meter lang, 8,3 Prozent im Schnitt. Sie war nicht entscheidend, aber sie machte die Beine schwer.
Entscheidend wurde der lokale Schlusskurs in Lobbes. Zweimal mussten die Fahrer den Mur de Thuin hoch, nur 300 Meter Kopfstein, dafür 8,7 Prozent steil, mit einer kurzen Rampe über 12 Prozent kurz vor der Kuppe. Die Zielankunft lag oben, nach weiteren 400 Metern falscher Ebene. Ein Finish für Puncheure mit schnellem Antritt, kein reiner Sprint.
Wie das Rennen lief
Vier Fahrer nutzten die frühe Nervosität: Dries De Bondt (Decathlon AG2R), Johan Meens (Bingoal WB), Unai Iribar (Kern Pharma) und Ceriel Desal (Wagner Bazin). Ihr Vorsprung wuchs auf maximal 3:45 Minuten, schmolz aber auf der windanfälligen Passage zwischen Thuin und Lobbes schnell zusammen.
50 Kilometer vor dem Ziel setzte das Team des Vorjahressiegers Corbin Strong, Israel-Premier Tech, die erste Tempoverschärfung. In der ersten Überfahrt des Mur de Thuin zerfiel das Feld in drei Gruppen, die Ausreißer wurden am Fuß der zweiten Auffahrt gestellt.
Am zweiten Mur attackierte zuerst Axel Laurance, dann kam Valentin Madouas mit einem harten Antritt. Beide wurden noch vor der Kuppe wieder eingefangen, weil Red Bull-BORA-hansgrohe das Tempo für Meeus hochhielt.
Das Finale
Der letzte Kilometer war ein Lehrstück wallonischer Rennhärte. Die Straße zog leicht an, das Pflaster war feucht vom Morgentau, die Positionskämpfe brutal. Auf den letzten 300 Metern setzte sich Meeus an das Hinterrad von Madouas, wartete bis 150 Meter vor dem Strich und zog dann rechts vorbei.
Er gewann knapp vor Madouas und vor dem Briten Jake Stewart, die beide im selben Anstieg stark aussahen, aber gegen Meeus' längeren Sprint keine Chance hatten. Für den Belgier ist es der erste Saisonsieg und der erste Führungstreffer bei der Heimrundfahrt.
Corbin Strong kam als Zehnter mit derselben Zeit ins Ziel und verlor damit keine Sekunden im Gesamtklassement.
Stimmen
Meeus im Ziel: „Ich kenne den Mur de Thuin aus dem Nachwuchs, das ist ein Ding für 20 Sekunden Vollgas. Das Team hat mich perfekt abgeliefert, ich musste nur noch treten. Gelb in Wallonien zu tragen, das bedeutet mir viel.“
Ausblick
Mit dem Etappensieg übernimmt Meeus auch die Führung in der Punktewertung. Die erste Bergwertung geht an De Bondt.
Morgen wartet mit Jodoigne nach Libramont-Chevigny die längste Etappe der Rundfahrt, 192,1 Kilometer durch die Ardennen-Ausläufer mit der Côte du Fourneau Saint-Michel als Hauptschwierigkeit. Für die Sprinter wird es schwerer, für die Klassementfahrer beginnt das Rechnen.
Die Wallonie hat ihren Auftakt bekommen, hart, schnell und mit einem Heimsieg. Genau so mag man sie hier.
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