Tour de Suisse 2026, 1. Etappe – Sondrio
Pogacar sprengt das Rennen mit 70-km-Solo
Tadej Pogacar hat sein Debüt bei der Tour de Suisse in eine eindrucksvolle Machtdemonstration verwandelt. Bereits am ersten Tag des auf fünf Etappen verkürzten Schweizer Rundfahrt-Klassikers rund um Sondrio ließ der Weltmeister von UAE Team Emirates keine Zweifel an seiner Überlegenheit: Rund 70 Kilometer vor dem Ziel zündete er eine Attacke, die das Rennen augenblicklich auseinanderriss und die gesamte Konkurrenz auf einen Schlag desavouierte.
Die 144 Kilometer lange Auftaktetappe führte durch das Valtellina, mit einem ständigen Auf und Ab, das dem Profil der Lombardei-Rundfahrt ähnelte, und schloss mit zwei kurzen, sehr steilen Rampen im Finale ab. Bereits der Anstieg nach Buglio in Monte, der auf drei Kilometern mit durchschnittlich zehn Prozent Steigung und Rampen bis zu 20 Prozent aufwartete, sortierte das Feld. Antonio Tiberi und Alfonso Eulalio verloren dort schon früh den Anschluss.
Die frühe Flucht gehörte dem Norweger Frederik Dversnes (Uno-X Mobility) und Cedric Beullens, wobei Dversnes nach dem Auseinanderbrechen des Duos alleine an der Spitze lag und die ersten Bergwertungspunkte einsammelte. Doch genau in dem Moment, als der Ausreißer den Zwischensprint passierte, setzte Pogacar seine Attacke. Binnen weniger Minuten hatte er Dversnes eingeholt – und ließ ihn sofort stehen. Auf dem Anstieg nach Triangia begann er das Rennen systematisch zu zertrümmern, ohne auf die kürzeren Rampen nahe am Ziel zu warten.
Hinter dem davonfliegenden Weltmeister versuchte eine Verfolgergruppe mit Primoz Roglic, Richard Carapaz, Andrea Bagioli, Matthew Riccitello, Mathias Vacek und Brandon McNulty Schadensbegrenzung zu betreiben – doch eine koordinierte Jagd kam nie zustande. Es fehlte nicht an prominenten Köpfen, wohl aber an der nötigen Geschlossenheit. Selbst das Red-Bull-Bora-hansgrohe-Team, das mit Aleksander Vlasov, Finn Fisher-Black, Emil Herzog und Giovanni Aleotti eigentlich ausreichend Helfer für Roglic gehabt hätte, fand keine Antwort auf Pogacars Gewalt.
Carapaz erkannte als Erster, dass weiteres Abwarten den Rückstand nur vergrößern würde. Rund 37 Kilometer vor dem Ziel löste sich der Ecuadorianer aus der Gruppe und setzte sich in Bewegung. Bagioli folgte ihm und schloss auf der Zielgeraden nach Sondrio noch einmal auf, sodass ein Kampf um Rang zwei entstand. Carapaz rollte schließlich mit gut zwei Minuten Rückstand als Zweiter ins Ziel, Bagioli folgte mit wenigen Sekunden Abstand als Dritter. Roglic und die Hauptgruppe büßten an diesem Tag rund fünf Minuten ein.
Mathieu van der Poel, der für ein punchiges Finale als Mitfavorit gehandelt worden war, spielte im Kampf um den Etappensieg keine Rolle. Remi Van Wilder spurtete in der zerbrochenen Gruppe auf Rang vier vor Vacek.
Pogacar feierte seinen Sieg sichtlich bewegt, kühlte sich nach einem schweißtreibenden Ritt durch die Hitze des Valtellina mit Wasser ab und nahm sich am Ende noch etwas heraus, bevor er ausgiebig jubelte. Es war sein erster Auftritt bei der Tour de Suisse überhaupt – und er hat die Gesamtwertung mit einem Vorsprung von über fünf Minuten auf den ersten Verfolger nach einem einzigen Tag bereits so gut wie entschieden. Noch warten ein Einzelzeitfahren und eine Bergankunft auf das Peloton. Doch nach diesem Tag wird vor allem darum gekämpft, wer hinter dem Weltmeister auf dem Podium steht.
Ergebnis 1. Etappe, Sondrio–Sondrio (144 km):
- Tadej Pogacar (UAE Team Emirates)
- Richard Carapaz (+2:13 Min.)
- Andrea Bagioli (+2:28 Min.)
- Remi Van Wilder (+4:02 Min.)
- Mathias Vacek (+4:02 Min.)
Roglic/Hauptgruppe: ca. +5:00 Min.
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