Del Toro krönt sich zum König der Alpen – Mexikaner entreißt Tuckwell das Gelbe Trikot am Plateau de Solaison
Del Toro krönt sich zum König der Alpen – Mexikaner entreißt Tuckwell das Gelbe Trikot am Plateau de Solaison
Tour Auvergne-Rhône-Alpes 2026, 8. Etappe: Beaufort – Plateau de Solaison, 120,1 km
Mit einer Solofahrt von atemberaubender Dominanz hat Isaac del Toro (UAE Team Emirates-XRG) die erste Ausgabe der Tour Auvergne-Rhône-Alpes unter ihrem neuen Namen für sich entschieden. Der Mexikaner gewann die abschließende 8. Etappe von Beaufort auf das Plateau de Solaison und raubte dabei Luke Tuckwell (Red Bull-Bora-Hansgrohe) in einem dramatischen Finale das Gelbe Trikot.
Nur 120 Kilometer lang war diese letzte Etappe – doch der Name des Ortes täuscht nicht über die Brutalität des Profils hinweg. Bereits quasi vom Startschuss weg wartete mit dem Col du Pré (6,9 km bei 10,1 % Durchschnittsgefälle) der erste hors-catégorie-Anstieg, gefolgt von der Montée de Bisanne (11,4 km bei 7,7 %), dem Col des Aravis (7 km bei 6,8 %) und schließlich dem finalen Anstieg auf das Plateau de Solaison (11,3 km bei 9,1 %) – alles verpackt in gut zwei Rennstunden. Ein Finale, das keine Fehler verzeiht.
Bereits in der Früh spielte sich ein kleines Drama ab: Paul Seixas (Decathlon CMA CGM), am Vortag noch im Gesamtklassement vertreten und voller kämpferischer Worte in den Startblock gegangen, hielt dem Druck des Col du Pré nicht stand. Der Franzose wurde schon am ersten Berg abgehängt, kämpfte sich zwar noch über den Gipfel und begann den Abstieg – doch dann war die Saison zu Ende. Seixas stieg vom Rad. Der Sturz des Vortages hatte seinen Tribut gefordert. D ist ml wieder jemand verheizt worden. Die begreifen das nie.
Während das Peloton von UAE Team Emirates und Lidl-Trek kontrolliert wurde, formierte sich vorn eine neunköpfige Ausreißergruppe mit Laurens De Plus und Carlos Rodríguez (beide Netcompany-Ineos), Léo Bisiaux (Decathlon CMA CGM), dem Bergwertungsführer Clément Braz Afonso (Groupama-FDJ United), Georg Steinhauser (EF Education-EasyPost), Valentin Paret-Peintre (Soudal Quick-Step), Harold Tejada (XDS Astana), Geoffrey Bouchard (TotalEnergies) und Kévin Vauquelin (Ineos). Auf dem Col du Pré schufen sie einen Vorsprung von 1:30 Minuten, bevor Bouchard und Vauquelin auf der Montée de Bisanne wieder abgehängt wurden.
Mit den Ineos-Männern als Motor arbeitete die Gruppe engagiert, doch am Col des Aravis war der Vorsprung auf bedrohliche 40 Sekunden geschmolzen. Im Tal stabilisierte sich die Lücke leicht, und mit rund 50 Sekunden Vorsprung wurde der Fuß des Solaison erreicht.
Dann übernahm UAE das Kommando, und Pavel Sivakov legte ein Höllentempo vor, das das bereits reduzierte Hauptfeld zersplitterte. Ausgerechnet Luke Tuckwell verlor als erstes den Anschluss – ein bedrohliches Zeichen für den Gesamtführenden. Sein Teamkollege Maxim Van Gils blieb aber bei ihm und leistete in der Folge Erstaunliches.
Pablo Torres übernahm kurz, bevor del Toro neun Kilometer vor dem Gipfel Feuer spuckte. Der 21-jährige Mexikaner überbrückte blitzschnell den Abstand zu den letzten beiden verbliebenen Ausreißern – Rodríguez und Paret-Peintre – und ließ sie stehen, als wären sie stehengeblieben. Innerhalb eines einzigen Kilometers lag Tuckwell bereits 40 Sekunden zurück und war faktisch entthront. Jorgenson und Ayuso versuchten mit Unterstützung ihrer Domestiken Ben Tulett und Mattias Skjelmose die Lücke zu kontrollieren – vergebens. Der Abstand wuchs.
Fünfeinhalb Kilometer vor dem Ziel griff Juan Ayuso (Lidl-Trek) zu einem Soloausbruch aus der Verfolgergruppe – eine Reminiszenz an seinen Angriff vom Vortag am Grand Colombier. Er holte zunächst einige Sekunden auf, doch del Toro war diesmal nicht zu fassen. Ayuso verlor das Momentum wieder, bevor Tobias Halland Johannessen (Uno-X Mobility) aus der Gruppe konterte. Matteo Jorgenson, der Vortageszweite aus dem Gesamtklassement, brach überraschend ein und wurde in der Schlussphase noch von Tuckwell überholt – ein bitteres Ende für den US-Amerikaner, der am Ende auf Rang zehn zurückfiel.
Del Toro passierte die Ziellinie am Plateau de Solaison mit einem Lächeln im Gesicht und über einer Minute Vorsprung auf den Rest. Johannessen sicherte sich mit einem starken Schlussspurt Rang zwei, knapp vor Ayuso. Tuckwell gab das Gelbe Trikot zwar ab, rettete aber mit Maxim Van Gils als Edelhelfer den zweiten Gesamtrang – ein ausgesprochen eindrucksvolles Debüt des 21-jährigen Australiers auf diesem Niveau.
Im Gesamtklassement triumphierte del Toro mit 54 Sekunden Vorsprung auf Tuckwell und 1:17 Minuten auf Ayuso. Für den Mexikaner war es bereits der dritte WorldTour-Etappenrennensieg der Saison – nach dem UAE Tour und Tirreno-Adriatico unterstreicht er damit eindrucksvoll seinen Anspruch auf ganz große Rollen bei der Tour de France in wenigen Wochen.
Die erste Tour Auvergne-Rhône-Alpes unter neuem Namen hält, was das altehrwürdige Critérium du Dauphiné seit Jahrzehnten verspricht: eine unerbittliche Generalprobe für die Großen Schleife.
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