Giro d’Italia 2026 – 20. Etappe: Vingegaard entscheidet den Giro am Piancavallo

 

Giro d’Italia 2026 – 20. Etappe: Vingegaard entscheidet den Giro am Piancavallo

 

 

Die letzte echte Bergprüfung des Giro 2026 hat gehalten, was sie versprach. Am 30. Mai führte die 20. Etappe über 200 Kilometer von Gemona del Friuli hinauf nach Piancavallo, mit 3.751 Höhenmetern, einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 39,5 km/h und dem doppelten Anstieg des 14,5 Kilometer langen Schlussbergs, im Schnitt 7,8 Prozent steil, maximal 14 Prozent. 152 Fahrer nahmen die Etappe in Angriff, 152 kamen oben an. 

Gedenken und frühe Flucht

Der Start stand im Zeichen der Geschichte. In Gemona pausierte das Peloton am Friedhof, um an die Opfer des Friaul-Erdbebens von 1976 zu erinnern, genau 50 Jahre danach. Jonas Vingegaard trug ein modifiziertes Rosa Trikot mit der Aufschrift „Friuli thanks and does not forget“. 

Sportlich ließ sein Team Visma | Lease a Bike zunächst nichts anbrennen. Nach mehreren Attacken durfte eine siebenköpfige Gruppe ziehen: Jonas Geens, Jack Haig, Guillermo Thomas Silva, Axel Huens, Andreas Leknessund, Larry Warbasse und Manuele Tarozzi. Silva holte den Zwischensprint, Leknessund die Punkte am Clauzetto. Am ersten Piancavallo schmolz die Gruppe auf Haig, Warbasse und Leknessund zusammen. Dahinter sprintete Giulio Ciccone aus dem Feld um den sechsten Platz am Gipfel und machte damit die Bergwertung rechnerisch zu – die maglia azzurra war ihm nicht mehr zu nehmen. 

Der Angriff, der alles klärte

Vor dem finalen Anstieg formierte sich eine neue Spitzengruppe aus Haig, Warbasse, Leknessund, Ludovico Crescioli und Igor Arrieta, mit gut zwei Minuten Vorsprung. Visma hielt das Rennen unter Kontrolle, Victor Campenaerts und Tim Rex fuhren auf den unteren Hängen, bis nur noch Sepp Kuss, Bart Lemmen und Vingegaard übrig waren.

Elf Kilometer vor dem Ziel, dort wo die Rampe wieder zweistellig wird, zündete Vingegaard. Nur Felix Gall konnte kurz folgen, musste aber nach rund einem Kilometer abreißen lassen. Der Däne überholte nacheinander Crescioli und Leknessund, setzte sich an die Spitze des Rennens und baute seinen Vorsprung kontinuierlich aus. 

Dahinter formierte sich die Gruppe der Podiumsanwärter neu. Gall, Jai Hindley, Derek Gee, Egan Bernal und Thymen Arensman, der kurz mit einem Kettenproblem zu kämpfen hatte, fanden wieder zusammen. Damit war der Kampf um Platz zwei bis fünf neutralisiert, während vorne nur noch einer fuhr. Vingegaard nahm die letzten Kurven alleine, hob kurz die Faust und rollte nach 5:03:55 als Solosieger ins Ziel, sein fünfter Etappensieg bei diesem Giro. 

Ergebnis des Tages

Gemona del Friuli – Piancavallo, 200 km:

    1. Jonas Vingegaard (Team Visma | Lease a Bike) – 5:03:55
    1. Felix Gall (Decathlon CMA CGM) + 1:15
    1. Jai Hindley (Red Bull-BORA-hansgrohe) gl. Zeit
    1. Derek Gee (Lidl-Trek) gl. Zeit
    1. Thymen Arensman (INEOS Grenadiers) + 1:19 

Gall und Hindley kamen zeitgleich hinter Vingegaard an und verteidigten damit ihre Podiumsplätze in genau dieser Reihenfolge. 

Die Lage vor dem Finale in Rom

Nach der 20. Etappe ist der Giro praktisch entschieden. Vingegaard führt die Gesamtwertung mit 75:13:16 Stunden an, Gall liegt 4:03 Minuten zurück, Hindley 5:04 Minuten. Dahinter folgen Arensman mit 5:33 und Gee mit 6:31 Minuten Rückstand. 

Im Kampf um das weiße Trikot konnte Afonso Eulalio einen späten Angriff von Davide Piganzoli kontern und geht als Führender der Nachwuchswertung auf die Schlussetappe.

Was bleibt von diesem Tag in Friaul ist das Bild, das diesen Giro geprägt hat: ein Däne im Rosa, der nicht verwaltet, sondern angreift, und ein Berg, der zum zweiten Mal in seiner Geschichte zum Schicksalsberg wird. Morgen rollt der Tross nach Rom, aber die Geschichte des Giro 2026 wurde am Piancavallo geschrieben.

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