Triumph nach Sturz: Pogačar gewinnt Mailand–Sanremo in einem Rennen der Extreme
Sanremo. – Es ist das längste und eines der unberechenbarsten Rennen im internationalen Radsport – und in diesem Jahr schrieb es eine Geschichte, die selbst für die Maßstäbe der „Classicissima“ außergewöhnlich ist. Der Slowene Tadej Pogačar hat die 117. Ausgabe von Mailand–Sanremo gewonnen – nach einem Rennen, das für ihn zwischenzeitlich bereits verloren schien.
Nach 298 Kilometern setzte sich der Weltmeister im Sprint einer kleinen Spitzengruppe gegen Tom Pidcock durch. Rang drei ging an Wout van Aert, der im Finale den Anschluss an die beiden Besten nicht mehr halten konnte.
Ein Klassiker mit eigenen Gesetzen
Mailand–Sanremo folgt seit jeher keiner einfachen Dramaturgie. Die Strecke von Pavia an die ligurische Küste verlangt den Fahrern weniger explosive Kletterqualitäten als vielmehr Ausdauer, taktisches Gespür und perfektes Timing ab. Erst im Finale, an den kurzen, aber entscheidenden Anstiegen der Cipressa und des Poggio, wird das Rennen regelmäßig entschieden.
So auch in diesem Jahr – allerdings unter ungewöhnlichen Vorzeichen.
Der Wendepunkt: Ein Sturz und seine Folgen
Rund 30 Kilometer vor dem Ziel, im entscheidenden Rennabschnitt, wurde Pogačar in einen Sturz verwickelt. Während sich das Feld bereits formierte und die Favoriten um Position kämpften, verlor der Slowene wertvolle Sekunden – und schien aus dem Kreis der Siegkandidaten herauszufallen.
Doch was folgte, war eine Demonstration von Entschlossenheit. Mit Unterstützung seiner Mannschaft kämpfte sich Pogačar zurück ins Peloton. Noch bevor die Cipressa erreicht war, hatte er den Anschluss wiederhergestellt – ein Kraftakt, der sich später als rennentscheidend erweisen sollte.
Offensive statt Abwarten
Anstatt sich nach der Aufholjagd zu schonen, ging Pogačar selbst in die Offensive. An der Cipressa setzte er eine Attacke, die das Feld erstmals entscheidend auseinanderzog. Nur wenige Fahrer konnten folgen, darunter Pidcock und van Aert.
Am Poggio, dem letzten Anstieg des Tages, verschärfte sich das Tempo weiter. Die Gruppe der Favoriten schrumpfte auf ein Minimum zusammen, ehe sich Pogačar und Pidcock auf den letzten Kilometern leicht absetzen konnten.
Entscheidung auf der Via Roma
Die Abfahrt vom Poggio und die anschließende flache Zielpassage in Sanremo entwickelten sich zu einem taktischen Duell. Beide Fahrer belauerten sich, suchten den richtigen Moment für den entscheidenden Antritt.
Im Sprint auf der Via Roma zeigte Pogačar schließlich die größere Durchsetzungskraft. Mit einem kraftvollen Antritt ließ er Pidcock keine Chance und sicherte sich seinen ersten Sieg bei Mailand–Sanremo – einem der fünf Monumente des Radsports.
Ein Sieg von besonderer Bedeutung
Für Pogačar ist dieser Erfolg mehr als nur ein weiterer Eintrag in einer ohnehin beeindruckenden Karriere. Mailand–Sanremo galt lange als eines der wenigen großen Rennen, das ihm noch fehlte. Mehrfach war er nah dran gewesen, hatte attackiert, das Rennen geprägt – aber nie gewonnen.
Nun ist diese Lücke geschlossen.
Die Verfolger ohne Antwort
Hinter dem Spitzenduo belegte van Aert den dritten Platz, konnte jedoch im entscheidenden Moment nicht mehr eingreifen. Fahrer wie Mads Pedersen oder Mathieu van der Poel spielten im Finale keine entscheidende Rolle mehr – ein Zeichen dafür, wie selektiv das Rennen in diesem Jahr geführt wurde.
Fazit
Mailand–Sanremo 2026 wird als eines der dramatischeren Kapitel in die Geschichte dieses Klassikers eingehen. Ein Sturz, eine Aufholjagd und ein mutiger Angriff – selten verdichtet sich ein Rennen so sehr auf die Geschichte eines einzelnen Fahrers.
Tadej Pogačar hat diesen Tag geprägt. Und er hat ihn genutzt.
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