Strade Bianche 2026: Tadej Pogačar krönt sich zum alleinigen Rekordsieger
Es war eine Machtdemonstration, die selbst für seine Verhältnisse neue Maßstäbe setzte: Tadej Pogačar (UAE Team Emirates – XRG) hat gestern die 20. Auflage der Strade Bianche gewonnen und sich mit seinem vierten Triumph zum alleinigen Rekordhalter des Rennens gekrönt. Der Weltmeister deklassierte die Konkurrenz mit einem 80-Kilometer-Solo, das bereits am berüchtigten Sektor Monte Sante Marie begann.
Der Moment der Entscheidung
Während viele Experten mit einem Angriff im letzten Renndrittel gerechnet hatten, fackelte Pogačar nicht lange. Bei trockenem, staubigem Wetter forcierte sein Team UAE Emirates das Tempo, bevor der Slowene etwa 80 Kilometer vor dem Ziel in Siena ernst machte.
Einzig der erst 19-jährige Franzose Paul Seixas (Decathlon – CMA CGM) wagte es, dem Antritt des Weltmeisters kurzzeitig zu folgen. Seixas schaffte tatsächlich den Anschluss, wurde jedoch von einer zweiten Beschleunigung Pogačars sofort wieder distanziert. Von diesem Moment an entwickelte sich das Rennen zu einer Triumphfahrt für Pogačar, der seinen Vorsprung zeitweise auf über zwei Minuten ausbaute.
Sensation durch den Youngster
Hinter dem entfesselten Spitzenreiter entwickelte sich ein spannender Kampf um die weiteren Podestplätze. Paul Seixas bewies, warum er als eines der größten Talente des Radsports gilt: Er hielt sich in der Verfolgergruppe und sicherte sich im Schlussanstieg zur Piazza del Campo den zweiten Platz. Damit ist er der jüngste Podiumsteilnehmer in der Geschichte des Rennens. Das Podium komplettierte Pogačars Teamkollege Isaac del Toro, der eine starke Teamleistung von UAE Emirates abrundete.
Das Ergebnis: Top 10 der Herren (7. März 2026)
| Platz | Fahrer | Team | Zeit |
| 1. | Tadej Pogačar | UAE Team Emirates – XRG | 4:45:15 |
| 2. | Paul Seixas | Decathlon – CMA CGM | + 1:00 Min. |
| 3. | Isaac del Toro | UAE Team Emirates – XRG | + 1:09 Min. |
| 4. | Romain Grégoire | Groupama – FDJ | + 2:04 Min. |
| 5. | Gianni Vermeersch | Red Bull – BORA – hansgrohe | + 2:07 Min. |
| 6. | Jan Christen | UAE Team Emirates – XRG | + 2:07 Min. |
| 7. | Tom Pidcock | Pinarello – Q36.5 | + 2:14 Min. |
| 8. | Matteo Jorgenson | Visma – Lease a Bike | + 2:20 Min. |
| 9. | Andreas Kron | Uno-X Mobility | + 3:46 Min. |
| 10. | Wout van Aert | Visma – Lease a Bike | + 3:46 Min. |
Fazit und Ausblick
Mit diesem Sieg hat Pogačar Fabian Cancellara in der ewigen Bestenliste überholt. Während Wout van Aert bei seinem Comeback mit einem zehnten Platz ein solides Ergebnis einfuhr, blieb für Fahrer wie Tom Pidcock (geplagt von einem Kettenproblem) nur die Rolle der Statisten.
Pogačar scheint in der Form seines Lebens zu sein und schickt mit diesem “Monster-Solo” eine deutliche Warnung an die Konkurrenz für die kommenden Frühjahrsklassiker.
“Ich wollte heute nichts dem Zufall überlassen. Das Team hat perfekt gearbeitet, und als ich mich am Monte Sante Marie gut fühlte, gab es kein Zurück mehr.” — Tadej Pogačar im Zielinterview.
Der Rennverlauf: Chronik einer Machtdemonstration
1. Die Anfangsphase und die Fluchtgruppe
Das Rennen startete in Siena bei trockenem Wetter und idealen Bedingungen für die „weißen Straßen“. Schon früh bildete sich eine neunköpfige Ausreißergruppe, in der unter anderem der junge Niederländer Tibor del Grosso und der erfahrene Jack Haig vertreten waren. Das Feld ließ ihnen einen Vorsprung von etwa vier Minuten, doch die Kontrolle lag von Beginn an fest in den Händen des UAE Team Emirates.
2. UAE übernimmt das Kommando
Schon weit vor den entscheidenden Sektoren begann UAE Emirates, das Tempo massiv zu verschärfen. Florian Vermeersch und später der junge Schweizer Jan Christen leisteten enorme Führungsarbeit, wodurch das Hauptfeld bereits 100 Kilometer vor dem Ziel stark ausgedünnt wurde. Die frühe Fluchtgruppe wurde dadurch deutlich früher gestellt als in anderen Jahren üblich.
3. Das Beben am Monte Sante Marie (79,8 km vor dem Ziel)
Wie von vielen erwartet, suchte Tadej Pogačar die Entscheidung am Sektor 7, dem berüchtigten Monte Sante Marie. Doch der Zeitpunkt war dennoch ein Schock für die Konkurrenz: Mit noch fast 80 Kilometern auf dem Tacho trat der Weltmeister an.
Der Seixas-Moment: Überraschenderweise war es der erst 19-jährige Paul Seixas, der als einziger reagierte. In einer mutigen Aktion schloss der Franzose tatsächlich die Lücke zu Pogačar.
Der Knockout: Die Hoffnung auf ein Duell hielt jedoch nur wenige Augenblicke. Pogačar beschleunigte an einer steilen Rampe innerhalb des Sektors ein zweites Mal. Seixas musste abreißen lassen und Pogačar verschwand buchstäblich in einer Staubwolke.
4. Das einsame Solo und die Zersplitterung dahinter
Während Pogačar seinen Vorsprung innerhalb von nur 10 Kilometern auf über eine Minute ausbaute, herrschte dahinter Chaos. Die Verfolgergruppe bestand zunächst nur aus Seixas, Isaac del Toro (Pogačars Teamkollege), Tom Pidcock, Romain Grégoire und Matteo Jorgenson.
Weiter hinten kämpfte Wout van Aert bei seinem Comeback-Rennen darum, den Anschluss nicht zu verlieren. Er schaffte es zwar etwa 50 Kilometer vor dem Ziel, zusammen mit einer größeren Gruppe zur ersten Verfolgergruppe aufzuschließen, doch zu diesem Zeitpunkt war Pogačar bereits außer Reichweite.
5. Finale und Kampf um das Podest
Auf den letzten 20 Kilometern, als es über die Sektoren Colle Pinzuto und Le Tolfe ging, war die Luft im Kampf um den Sieg längst raus. Pogačar fuhr ein konstantes Tempo und genoss sichtlich die Anfeuerungen der Tifosi. Er nahm sich sogar die Zeit, in den engen Gassen von Siena kurz vor dem Ziel einem Fan die Hand zu schütteln.
Dahinter entbrannte jedoch ein packendes taktisches Duell:
Paul Seixas bewies außergewöhnliche Stehauf-Qualitäten. Trotz seines frühen Kraftakts am Monte Sante Marie attackierte er erneut am letzten Anstieg des Colle Pinzuto.
Nur Isaac del Toro konnte ihm folgen, überließ Seixas aber die meiste Führungsarbeit, um seinen Kapitän vorne nicht zu gefährden.
Im steilen Schlussanstieg in die Altstadt von Siena (Via Santa Caterina) distanzierte Seixas Del Toro schließlich und sicherte sich den historischen zweiten Platz.
6. Die Zielankunft
Pogačar erreichte die Piazza del Campo nach 4 Stunden und 45 Minuten und feierte seinen vierten Sieg bei diesem Rennen – ein neuer Rekord. Eine Minute später überquerte Seixas als gefeierter Zweiter die Linie, kurz darauf gefolgt von Del Toro.
Die Top-Fakten des Rennens:
Pogačars Solo: Exakt 79,8 Kilometer im Alleingang.
Durchschnittsgeschwindigkeit: Beeindruckende 42,7 km/h.
Paul Seixas: Mit 19 Jahren der jüngste Fahrer aller Zeiten auf dem Podium der Strade Bianche.
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