Hier ist ein Überblick über das Frühjahrsprogramm der deutschen Radsport-Elite für die Saison 2026.
Das Radsportjahr 2026 hat Fahrt aufgenommen, und für die deutschen Profis stehen die entscheidenden Wochen im Frühjahr bevor. Nach den ersten Kilometern bei den Sixdays in Bremen und den frühen Rennen unter der Sonne Mallorcas richtet sich der Fokus nun auf die prestigeträchtigen Klassiker und die ersten großen Etappenrennen der WorldTour.
Red Bull-BORA-hansgrohe: Eine neue Ära mit deutschen Ambitionen
Beim deutschen Top-Team hat sich die Hierarchie durch den Neuzugang von Remco Evenepoel zwar internationalisiert, doch die deutschen Stars spielen in der Planung von Sportchef Zak Dempster eine zentrale Rolle.
Florian Lipowitz: Der Aufsteiger der letzten Saison (Gesamtdritter der Tour de France 2025) startet sein Frühjahr intensiv. Nach dem Formaufbau bei der Challenge Mallorca liegt sein Fokus auf der Katalonien-Rundfahrt (März) und der Tour de Romandie (April). Er wird als “Edelhelfer” und taktische Option an der Seite von Evenepoel aufgebaut, genießt aber bei den schweren Frühjahrsetappenrennen oft Freiheiten.
Maximilian Schachmann: Der amtierende deutsche Zeitfahrmeister konzentriert sich auf die hügeligen Klassiker und Vorbereitungsrennen. Sein Weg führt über Tirreno–Adriatico und die Baskenland-Rundfahrt direkt zu den Ardennen-Klassikern, wo er wieder an seine alte Stärke anknüpfen will.
Lennard Kämna: Nach seinem starken Comeback wird Kämna voraussichtlich eine ähnliche Route wie Schachmann wählen, wobei sein Fokus stark auf Etappensiegen bei den WorldTour-Rundfahrten im März und April liegt.
Nils Politt: Die “Kante” im Wüsten-Express
Für Nils Politt (UAE Team Emirates) bleibt das Frühjahr die wichtigste Zeit des Jahres. Als einer der wichtigsten Kapitäne für die Kopfsteinpflaster-Rennen hat er ein klares Ziel: das Podium in Roubaix.
Das Klassiker-Paket: Politt wird die volle flämische Woche bestreiten – von Omloop Het Nieuwsblad (28. Februar) über die Flandern-Rundfahrt (5. April) bis hin zu seinem “Wohnzimmer”, dem Velodrom von Paris-Roubaix (12. April).
Die Rolle: Während er im Sommer für Tadej Pogačar arbeitet, führt er im Frühjahr die Klassiker-Fraktion von UAE an und gilt nach seinem vierten Platz bei der DM 2025 als hungriger denn je.
Power-Frauen: Lippert und Niedermaier im Fokus
Im Frauen-Peloton ruhen die deutschen Hoffnungen vor allem auf zwei Fahrerinnen, die die Weltspitze aufmischen:
Liane Lippert (Movistar): Nach ihrem beeindruckenden dritten Platz bei der Flandern-Rundfahrt im Vorjahr ist sie 2026 die alleinige Leaderin für die hügeligen Klassiker. Ihr Programm umfasst die Strade Bianche (7. März) und die komplette Ardennen-Woche (Amstel Gold Race, Flèche Wallonne, Lüttich-Bastogne-Lüttich) Ende April.
Antonia Niedermaier (Canyon//SRAM): Die Zeitfahr-Spezialistin wird vermehrt bei den anspruchsvollen Etappenrennen im Frühjahr zu sehen sein, um ihre Fähigkeiten im Hochgebirge für die großen Landesrundfahrten weiter zu schärfen.
Fazit: Das deutsche Kontingent ist 2026 so breit aufgestellt wie lange nicht. Während Politt auf dem Pflaster die Kohlen aus dem Feuer holen soll, liegt bei Red Bull-BORA-hansgrohe die Spannung darauf, wie sich Florian Lipowitz in seiner neuen Rolle als Co-Leader in der Weltspitze behauptet.
1. Florian Lipowitz: Der Aufstieg zum "GC-Contender"
Nach seinem sensationellen Podium bei der Tour de France 2025 ist Lipowitz kein Unbekannter mehr. Das Team hat sein Frühjahrsprogramm daher präzise um die Ardennen-Klassiker herum gebaut.
Die Taktik: Lipowitz wird bei der Baskenland-Rundfahrt im April als Co-Kapitän neben Remco Evenepoel starten. Ziel ist es, die Konkurrenz (wie Vingegaard oder Ayuso) durch eine Doppelspitze unter Druck zu setzen.
Schlüsselrennen Lüttich-Bastogne-Lüttich: Dies ist sein großes Ziel im April. Die steilen Anstiege liegen ihm. Experten erwarten, dass er dort als "Relais-Station" für Evenepoel fungiert oder bei einer frühen Attacke selbst auf Sieg fährt.
2. Nils Politt: Die Mission "Pflasterstein"
Politt ist bei UAE Team Emirates mittlerweile der unangefochtene Road Captain für die Klassiker. 2026 ist sein Jahr, um den Fluch der "knappen Niederlagen" zu brechen.
Vorbereitung in der Wüste: Politt nutzt die UAE Tour Ende Februar nicht nur als Helfer, sondern um die nötige "Power" für die flachen, windanfälligen Passagen in Belgien zu holen.
Das Roubaix-Szenario: Bei Paris-Roubaix wird er 2026 voraussichtlich eine offensivere Strategie wählen. Anstatt auf den Sprint einer kleinen Gruppe zu warten (wo Fahrer wie Philipsen oft schneller sind), wird er versuchen, bereits im Wald von Arenberg eine Vorentscheidung zu erzwingen.
3. Liane Lippert: Die Jagd nach dem Monument
Liane Lippert ist derzeit die einzige deutsche Fahrerin, die konstant Weltklasse-Niveau bei den Eintagesrennen zeigt.
Der Fokus auf die Strade Bianche: Die Schotterpisten der Toskana liegen ihr extrem gut. 2026 hat sie ihr Training gezielt auf kurze, explosive Anstiege umgestellt, um im Finale von Siena gegen die Dominanz von SD Worx bestehen zu können.
Führungskraft: Bei Movistar ist sie 2026 die alleinige Fixpunkt-Fahrerin, was bedeutet, dass das gesamte Team für sie arbeitet – ein Druck, mit dem sie laut eigener Aussage immer besser umgehen kann.
Insider-Check: Die "Dark Horses" (Geheimtipps)
Neben den großen Namen solltet ihr diese beiden im Auge behalten:
Marco Brenner (Tudor Pro Cycling): Er hat sich im Winter enorm gesteigert. Er wird bei den kleineren belgischen Halb-Klassikern (wie E3 Saxo Classic) oft auf eigene Rechnung fahren dürfen.
Antonia Niedermaier (Canyon//SRAM): Sie wird im Frühjahr vor allem bei Zeitfahren (wie beim Giro d'Italia Women Prolog-Vorbereitungen) glänzen, aber beobachte sie bei der Wallonischen Pfeil – ihre Kletterstärke am "Mur de Huy" könnte für eine Überraschung sorgen
Die wichtigsten Termine im Überblick
| Datum | Rennen | Deutsche Favoriten |
| 28. Februar | Omloop Het Nieuwsblad | Nils Politt, John Degenkolb |
| 07. März | Strade Bianche | Liane Lippert, Maximilian Schachmann |
| 21. März | Mailand-Sanremo | Pascal Ackermann, Nils Politt |
| 05. April | Flandern-Rundfahrt | Nils Politt, Liane Lippert |
| 12. April | Paris-Roubaix | Nils Politt, John Degenkolb |
| 26. April | Lüttich-Bastogne-Lüttich | Maximilian Schachmann, Liane Lippert |

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